Montag, 26. Dezember 2016

Kritik an Weihnachten

Ich liebe Weihnachten.
Ich liebe die vielen kleinen Lichter, die die Städte und Häuser zum Leuchten bringen.
Ich liebe das Gefühl, wenn es draußen kalt und drinnen warm und kuschelig ist. Mit Tee, Plätzchen und einem guten Buch den Abend auf dem Sofa ausklingen lassen.
Ich liebe es, dass überall Weihnachtsmusik erklingt und es auf den Weihnachtsmärkten nach Zimt, Nelken, Orangen, heißer Schokolade und weiteren Köstlichkeiten riecht.

Die Weihnachtszeit ist für mich - obwohl ich den Winter generell nicht mag - eine der schönsten Zeiten im Jahr.
Und trotzdem gibt es Dinge, die mich nachdenklich machen, die mir nicht gefallen, die kritisiert und hinterfragt werden sollten. Auch an Weihnachten. Oder vielleicht vor allem an Weihnachten.

Weihnachten ist bei uns vor allem eins - übermäßiger Konsum.
Weihnachten ist vor allem für die Menschen, die genug im und zum Leben haben.
Weihnachten war einmal ein christliches Fest - und heute ist es ein Fest des Konsums, des Übermaß', ein Fest des Geldes.

Die einen bevorzugen es zu schenken, während andere lieber beschenkt werden. Aber generell liebt jeder Geschenke. 
Auch ich mag Geschenke und freue mich vor allem über unerwartete Kleinigkeiten. Besondere oder persönliche Geschenke. Geschenke, bei denen man merkt, dass der andere sich Mühe gemacht hat.

Auch dieses Jahr habe ich auf's Neue überlegt, ob ich mir wünschen soll, dass mir nichts geschenkt wird. Aber ich bin in der westlichen Welt aufgewachsen, in einer Welt voller Konsum und in der der Konsum gefeiert wird.
Wir freuen uns über ein neues Handy, einen neuen Laptop, neue Kleidung und meistens soll es am liebsten das Neueste, Teuerste und Beste sein.
Und auch ich mag es, beschenkt zu werden.

Aber: Ich mag diese Konsum-Welt nicht. Denn sie lässt mich manchmal die wichtigen Dinge im Leben vergessen.
Sie lässt mich die Dinge vergessen, die eigentlich wirklich zählen sollten: Familie, Freunde, Liebe, ein Dach über dem Kopf und einen warmen Ort zum Schlafen, Essen und Trinken.
Und dabei sollte es egal sein, wie viele und welche Geschenke unter dem Weihnachtsbaum liegen.
Es sind Dinge, die in Deutschland für viele selbstverständlich sind. Aber leider nicht für alle.

Deswegen genieße ich dieses Jahr die Zeit mit meiner Familie und versuche die Schutzwände und meinen Groll wenigstens für ein paar Tage zu vergessen.
Ich genieße die Zeit, ohne Fernsehen, ohne am Laptop zu sein.

Ich bin dankbar, ein Dach über dem Kopf zu haben, im Warmen zu sitzen und für einen Tag die Sorgen der Welt zu vergessen.
Ich bin dankbar, eine liebevolle Familie zu haben, die mich unterstützt und mich liebt.
Ich bin dankbar für langjährige Freundschaften und neue Freundschaften, die ich dieses Jahr knüpfen konnte.
Ich bin dankbar, zu lieben und geliebt zu werden.

Und mittendrin denke ich, dass ich diese Gedanken nicht nur an Weihnachten haben sollte.
Wir sollten uns nicht nur an Weihnachten über unser Glück bewusst werden, sondern tagtäglich.
Wir sollten es nicht nur an Weihnachten schaffen, dass die ganze Familie sich trifft und sich auf den neuesten Stand bringt.
Wir sollten uns nicht nur an Weihnachten beschenken und Dankbarkeit ausdrücken.


Vielleicht sollten wir an Weihnachten auch einmal an all diejenigen denken, denen es nicht so gut geht wie uns.
Vielleicht sollten wir an Weihnachten einmal jemandem eine Freude machen, der nicht die gleichen Privilegien genießt wie wir.

Und vielleicht sollte die Dankbarkeit der Weihnachtszeit uns zu denken geben, wieso wir sie nur zu einer bestimmten Zeit im Jahr ausdrücken.


Ich habe es nicht geschafft, Weihnachten zu boykottieren.
Weil ich diese Zeit so liebe. Weil meine Familie sich oft nur an diesen Tagen versammelt. Und weil überall Kerzen brennen und es so gemütlich Zuhause ist.
Aber dieses Jahr denke ich auch an die ganzen anderen Menschen da draußen. All diejenigen, die nicht so glücklich sind wie ich. In der Ferne und auch in Deutschland.