Dienstag, 4. Juli 2017

It's a bittersweet memory

Ich dachte, dass ich gelernt hätte, den Moment zu genießen. Einfach mal machen, anstatt immer nur nachzudenken. Einfach mal im Hier und Jetzt leben, nicht immer nur an das Danach und die Konsequenzen zu denken. Eigentlich wollte ich das dieses Jahr verinnerlichen. Eigentlich wollte ich schon dort sein. An dem Ort, wo ich nichts mehr bereuen muss.

Und dann habe ich schon wieder den Moment verpasst. Habe zu viel gedacht. Was hat das alles für Auswirkungen? Was werden die anderen denken? Wieso denke ich immer so viel an die anderen und so wenig an mich selbst?

Der Moment hat mich überrumpelt. Ich wusste irgendwie, dass er kommen würde. Ich habe es geahnt. Und verdrängt. Denn als er da war, war ich nicht bereit für ihn. Zu viel auf einmal. Reizüberflutung. Was soll ich tun? Was will ich tun? Will ich das hier wirklich? Eigentlich schon. Ich habe jetzt schon so lange darüber nachgedacht. Über das hier. Über dich und mich. Über uns beide. Es ist schon so oft fast passiert. Die Art und Weise, wie du mich anschaust, wie du mich umarmst. Irgendwas ist da in der Luft. Zwischen uns beiden. Die Luft knistert, wenn wir uns ansehen.

Aber trotzdem scheint da etwas zu fehlen. Da scheint etwas nicht zu stimmen. Es fühlt sich nicht nach „Ja, auf jeden Fall!“ an. Will ich das wirklich? Ja, eigentlich schon. Wieso eigentlich?

Und dann war der Moment da. Der Moment, den ich mir erhofft hatte. Erhofft und doch nie wirklich daran geglaubt. Das ist doch alles nur ein Scherz, alles nicht ernst gemeint. Ein bisschen flirten ohne Hintergedanken. Und plötzlich ist da mehr. Und plötzlich willst du mehr, wollen wir beide mehr. Wir wollen das hier, gemeinsam. Die Art und Weise, wie du mich anschaust, elektrisiert mich. Du küsst mich. Ich schmecke deine salzige Zunge, spüre wie sie meinen Hals berührt. Deine Hände fassen unter mein Shirt. Haut auf Haut. Es fühlt sich so gut an. Du willst mehr. Ich will mehr. Wir wollen es beide. Unsere Körper sprechen all die Dinge aus, die unsere Blicke schon so viel früher gesagt haben.

Und trotzdem: der Moment kam unerwartet. Ich habe schon so lange darüber fantasiert und trotzdem fühle ich mich nicht vorbereitet. Will ich das wirklich? JA! Schreit mein Körper. Wirklich? Fragt mein Kopf. Was sagt mein Herz dazu? Verdammt, Herz, wo bist du?
Stille. Verbindung unterbrochen. Der Kopf übernimmt ab hier.
Nebel, ich kann nichts mehr sehen. Die Nebelscheinwerfer funktionieren nicht richtig. Handeln, jetzt! Aber was tun? Und vor allem: wie?

Und dann ist es vorbei. In Sekundenschnelle. Ich habe den Moment verpasst. Die Sirenen in meinem Kopf gingen drei Sekunden zu spät los. Der Kopf hat entschieden und das Herz bereut. Wieder einmal nicht mutig genug gewesen. Wieder ein Punkt mehr auf der Liste der verpassten Lebensmomente. Der Abschied ist zartbitter. Ich liebe Zartbitterschokolade, aber dieses Zartbitter stößt mir übel auf. Ich weiß nicht, wie man sich richtig verabschiedet, wie man richtig „Goodbye“ sagt, nach dieser halben Sache. Wie soll ich dir sagen, dass mein Kopf über mein Herz entschieden hat ohne zu reden, nur mit meinen Gesten? Wie kann ich jetzt noch darauf vertrauen, dass mein Kopf sich nicht wieder über mein Herz stellt? Der Abschied ist bittersüß. Dein Kuss hängt noch auf meinen Lippen und mein Körper verlangt nach deinen Händen. Ich träume mich in Gedanken zu diesem Moment zurück. Ich möchte unsere Geschichte umschreiben. Ich möchte ein verdammtes happy end!

Mein Kopf hat zu viel über die Konsequenzen nachgedacht. Hatte Angst, mein Herz zu verlieren. An etwas Belangloses. Das vielleicht doch gar nicht so belanglos war. Nur von außen. Von innen war da vielleicht doch mehr…

Jetzt ist es vorbei. Aber mein Herz vergisst nicht so leicht. Nicht dieses Mal.

Dieses Mal ist die Erinnerung hartnäckig. Und zartbitter.